Resilienz: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen...!

von Lisa Berghöfer

Monkey Yoga, Lisa Berghöfer
In den Bergen lasse ich alle Sorgen und Zweifel hinter mir...

Im letzten Jahr habe ich an einem Seminar teilgenommen, das den Stein für viele Veränderungen ins Rollen brachte: „Resilienz:  Mehr Widerstandskraft, Achtsamkeit und Gelassenheit“. Dabei habe ich so viele Denkanstöße bekommen, dass ich seitdem eine andere Perspektive in schwierigen Situationen habe, mich weniger über Dinge ärgere, die mich früher in den Wahnsinn getrieben haben und suche schneller nach Lösungen, als lange über Dinge zu jammern. :) Was genau dahinter steckt, erfahrt ihr gleich... 

stehaufmännchen in krisenzeiten

Jeder von uns hat wahrscheinlich schon größere und kleinere Krisen durchlebt: Man wird von seinem Partner verlassen, erlebt Dauerfrust oder -stress im Beruf, eine Phase ohne Job, vielleicht sogar eine echte Sinnkrise, die alles auf den Kopf stellt. Solche Situationen, die uns belasten, gehen natürlich nicht spurlos an uns vorüber. Aber es gibt Menschen, die schneller über solche Einschnitte hinweg kommen, als andere. Diese Menschen sind dabei keinesfalls unsensibler - Sie gehen durch genauso tiefe Täler wie andere. Doch scheinen sie richtige Stehaufmännchen zu sein. Ganz nach dem Motto: „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen…“

Was hinter Resilienz steckt

Was genau steckt hinter diesem Wort "Resilienz", das man heute immer häufiger hört und liest? Resilienz ist die Fähigkeit eines Menschen, belastende Situationen und Bedingungen konstruktiv zu überwinden und daran zu wachsen. Es heißt, man könne Resilienz lernen und erweitern. Das klingt zunächst sehr erstrebenswert. Doch was genau braucht es dafür und wie komme ich dahin? 

Die sechs Faktoren für Resilienz

Psychologen haben in Langzeitstudien herausgefunden, dass es sechs wichtige Grundhaltungen gibt, die uns widerstandsfähiger machen.

 

Die ersten drei davon – Optimismus, Akzeptanz und Lösungsorientierung – sind die Basis für Resilienz, die wir schon in der Kindheit entwickeln. Somit entscheiden unsere Erfahrungen, die Erziehung, die Einflüsse und Werte aus unserer Kindheit darüber, wie gut wir heute mit Krisen und schwierigen Zeiten zurecht kommen. 

 

Aber trotzdem können wir auch heute noch lernen, widerstandsfähiger und gelassener zu werden! 

Resilienz, Resilienz-Modell

1. OPTIMISMUS

Optimisten habe eine positive Sicht auf die eigene Welt – die innere als auch die äußere, und glauben eher daran, dass Situationen einen guten Ausgang nehmen. Wir denken oft in „Worst-Case-Szenarien“ – Kennt ihr das? Und diese negativen Gefühle hatten für unsere Evolution auch einen wichtigen Sinn: Sie machen uns auf Gefahren und Risiken für unser Leben aufmerksam, sodass wir uns auf alles vorbereiten. Allerdings empfinden wir dadurch häufiger Stress, Angst & machen uns Sorgen, obwohl am Ende vielleicht alles gut ausgeht. Wissenschaftler haben dazu eine Formel („Losada-Regel“) ermittelt: Wer mindestens dreimal so viel positive wie negative Gefühle erlebt, ist glücklicher und bewältigt schwierige Lebenssituationen besser. Was kann Dir dabei helfen, eine positivere Lebenseinstellung zu entwickeln? 

Finde Deine Energiespender!

Nimm Dir Zeit für diese Gedanken, denn sie können Dich wirklich weiterbringen. Setz‘ Dich an Deinen Lieblingsplatz und nimm Dir Stift & Zettel zur Hand. Schreibe auf, welche Dinge Dir positive Energie geben.

Das können z.B. ein Waldlauf, ein gutes Buch, schöne Musik, ein Telefonat mit Deiner besten Freundin, deine Lieblings-Serie oder ein gutes Glas Wein mit Deinem Partner auf dem Balkon sein.

Jetzt hast Du sicher ein paar Dinge auf Deinem Zettel stehen. Bewahre ihn auf, und nimm Dir jeden Tag Zeit für eines der Dinge....

Glaube an Deine eigene Stärke!

Wir neigen dazu, uns mit Menschen zu vergleichen, die irgendetwas noch besser können, als wir, erfolgreicher sind, besser aussehen usw. Dadurch mindern wir unser Selbstwertgefühl, ohne uns dessen bewusst zu sein. Orientiere Dich nicht an anderen, sondern glaub‘ an Dich und Deine Stärken! 

Sei stolz auf Deine Erfolge!

Ja, Du darfst und solltest stolz sein auf Deine Erfolge - die „kleinen“ und "großen"! Besonders wir Frauen legen oft eine überzogene Bescheidenheit und Zurückhaltung an den Tag. Blicke mal auf Deine letzten Jahre zurück, und mach Dir bewusst, was Du alles erreicht hast in Deinem Leben!

 

Sei stolz auf Dich und gönne Dir auch mal eine Pause, um deine Erfolge zu feiern. Genieß dieses gute Gefühl, ohne schon an die nächsten Pflichten & To Do's zu denken.... 


2. AKZEPTANZ

„Es ist, wie es ist“. Ein kurzes Satz, in dem viel Bedeutung steckt: Dinge, die wir sowieso nicht ändern können, aktiv zu akzeptieren, wie sie sind....

 

Diese Säule hat mich persönlich am meisten Überwindung gekostet, da die alten Gewohnheiten so tief fest saßen. Früher habe wurde ich furchtbar ungeduldig, wenn ich mal wieder an der „langsamsten“ Schlange im Supermarkt anstand. Oder in einen Stau geraten bin, der nicht enden wollte.

 

Alle Beispiele haben eines gemeinsam: Wir vergeuden Energie, entwickeln negative Gefühle und schaden uns selbst - ohne die Dinge  ändern zu können. Dir fallen bestimmt auch viele solcher Situationen ein. Beobachte doch mal Deine Gefühle in diesen Situationen, die in Dir aufkommen. Sag Dir „Stopp!“, atme tief durch und versuche die Situation für etwas Positives zu nutzen. 

 

Stehst Du zum Beispiel im Stau, genieße die Auszeit und höre ganz bewusst Deine Lieblings-Musik. Nutze die kurze Pause für Dich, oder ruf‘ eine Freundin an. Im Supermarkt beobachte ich gerne Menschen um mich herum, und achte auf viele kleine Details. Du wirst verwundert sein, wieviel Dir plötzlich auffällt! Lächle‘ jemanden an, und lass Dich überraschen, was passiert! :) So vergeht die Zeit ganz schnell….

3. LÖSUNGSORIENTIERUNG

Lösungsorientierung ist eine innere Haltung, die uns in jeder Situation unseres Lebens weiterhilft. Wenn Du in einer schwierigen Lage steckst, versuche anstatt zu jammern oder Dich zu ärgern, nach vorne zu schauen und nach Handlungsmöglichkeiten zu suchen. Mit der Zeit wirst du diese Haltung wie von selbst leben, und Du wirst Dich selbstbewusster und souveräner fühlen.

 

Außerdem habe ich die schöne Erfahrung gemacht, dass andere Menschen Dich für diese Haltung schätzen lernen.... Der positive Nebeneffekt ist, dass Du deine Ziele schneller erreichst :)! 

4. EIGENVERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN

Eigenverantwortung beginnt mit einem ehrlichen Blick in den Spiegel. Dabei sollten wir uns nicht nur mit unseren Handlungen, sondern auch mit unseren Worten, Gedanken und Gefühlen offen und selbstkritisch auseinander setzen.

 

Ich war früher oft in einer Spirale aus negativen Gedanken gefangen zu sein, durch die ich mich immer schlechter fühlte, und irgendwann im Selbstmitleid badete. Irgendwann reichte es mir, und ich entschied mich, etwas ändern zu wollen. Fakt ist, es ist nicht leicht, sich von negativen Gedanken und Gefühlen zu distanzieren. Der erste Schritt dahin ist das Bewusstsein, dass Du selbst bestimmst, was du fühlst und denkst, und was nicht! Genauso kannst Du entscheiden, dass Du nicht die Opferrolle einnehmen möchtest, sondern den Ausgang der Situation selbst in die Hand hast. 

 

Achtsamkeit (auf Englisch „Mindfulness“) ist der Schlüssel, um seine eigenen Gefühle besser zu kontrollieren. Versuche doch das nächste Mal, wenn Dich Gefühle wie Ärger, Angst, Enttäuschung oder Traurigkeit belasten, erst mal innerlich einen Schritt zurückzutreten, und Dich selbst zu beobachten. Über die Zeit wirst Du lernen Deine Ängste zu beherrschen oder Dich selbst zu beruhigen, wenn du aufgebracht oder unruhig bist.  

5. BEZIEHUNGEN GESTALTEN

Ein stabiles Netzwerk aus Beziehungen (Familie, Freunde, Kollegen usw.) ist entscheidend für unsere Resilienz.

 

Ihr kennt es vielleicht: Viele Freunde zu haben, ist für eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung vielleicht nützlich. Aber wer die Menschen sind, auf die du immer zählen kannst, spürst Du, wenn es Dir nicht gut geht. Es geht dabei also nicht um die Quantität, sondern um die Qualität unserer Beziehungen. Leider gibt es manchmal auch Menschen, die uns Energie nehmen, anstatt zu geben. Besonders viel Energie fressen dabei die „Türmchen-Zerstörer“ – Menschen in Deinem engen Umfeld, die Dich von Deinen eigenen Träumen und Plänen abbringen, indem sie dich nicht unterstützen, sondern ihre destruktive Haltung auf Dich übertragen.

 

Deshalb meine Empfehlung an Dich: Triff für Dich die Entscheidung, mit welchen Menschen Du wirklich Zeit verbringen möchtest und investiere in diese Beziehungen. Setze dabei Prioritäten – denn unser Tag besteht leider nur aus 24 Stunden, und manchmal ist weniger mehr :)….

6. DEINE EIGENE VISION VERFOLGEN

Eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin zu machen, nachdem ich BWL studiert habe, erfolgreich im Beruf und finanziell unabhängig bin, mag zunächst für viele Außenstehende wenig Sinn ergeben. Aber mit diesem Schritt verfolge ich meinen Traum, und ich bin stolz, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe. Ich wollte schon lange Menschen durch meine Energie und Lebensfreude inspirieren, motivieren und meine Leidenschaft für Bewegung nutzen.

 

Häufig erzählen mir Freunde oder Kollegen, die unzufrieden mit ihrem Job, ihrer Beziehung etc. sind, dass sie davon träumen, etwas völlig anderes zu machen. Sich selbstständig zu machen. Auszuwandern. Oder nochmal etwas völlig anderes zu studieren. Sie tragen eine große Leidenschaft für etwas im Herzen, doch bleibt es meist bei den „Träumereien“.

 

Hast Du selbst eine Vision für Dein Leben? Weißt Du, was Deinem Leben Sinn gibt?  Oder bist Du so in Deinem Hamsterrad gefangen, dass Du gar nicht die Zeit findest, Dich mit dieser Frage zu beschäftigen? Dann nimm‘ sie Dir jetzt! Also: Wie würde Dein Leben aussehen, wenn Du es auf einem weißen Blatt Papier frei gestalten könntest? Vielleicht hilft es Dir dabei, dir einen konkreten Plan zu machen, und Dir Zwischenschritte zu überlegen.

Jede Krise kann eine Chance sein

Krisen oder schwierige Situationen können also auch eine Chance zum Wachsen sein. Viele wichtige Veränderungen gehen auf Krisen zurück, denn sie können bewirken, dass man sich komplett neu ausrichtet, seine Lebensziele hinterfragt und neu steckt! 


Du fragst Dich vielleicht, in welchem Zusammenhang Resilienz und Yoga stehen. Es gibt in meinen Augen sehr viele Parallelen zwischen den Resilienz-Faktoren und der Yoga-Philosophie. Letzten Endes kann Yoga Dir helfen, Deine Resilienz zu stärken, mehr innere Gelassenheit und Ausgeglichenheit zu finden. Außerdem lernt man mehr auf seinen Körper zu hören, und Körper, Geist und Seele als Einheit zu verstehen. Ich ruhe heute mehr in mir selbst, weiß, wie mir verschiedene Atemtechniken & Meditation helfen können Stress abzubauen und negativen Gedanken zu kontrollieren. 


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