GENERATION Y: WARUM YOGA SO BELIEBT IST

„....Yoga liegt doch nur gerade total im Trend, das ebbt bestimmt bald wieder ab…“ 

Diese und ähnliche Aussagen habe ich in den letzten Wochen häufig gehört, wenn ich versucht habe zu verstehen, weshalb Yogakurse auf so viel Resonanz stoßen. Da ich kein Freund von unbegründeten Argumenten bin, habe ich beschlossen, dieser These auf den Grund zu gehen....

Monkey Yoga
Foto: Parallel Dream (www.parallel-dream.de)

Achtung, dieser Artikel ist polarisierend geschrieben und trifft sicher nicht auf JederMann und -Frau zu ;)!

Was kennzeichnet die Generation Y?

Meine "Zielgruppe" – Facebook-Statistik sei Dank – sind größtenteils Frauen bis 35 Jahren, gehören also der  Generation Y (Jahrgänge 1982 bis 1996) an, zu der ich ja selbst gehöre…

 

Ich habe mich gefragt, ob man die Werte, Einstellungen und Ziele unserer Generation übereinander legen kann mit dem, was Menschen in Yoga suchen, um zu verstehen, wieso Yoga sich so großer Beliebtheit erfreut! 

„Die Generation Y vereint mit Leichtigkeit Dinge, die früheren Generationen unvereinbar erschienen: Freiheit und Bindung, Spaß und Verantwortung, Convenience und Sinn, chillen und Zeitstress, Öffentlichkeit und Schutz von Privatsphäre.“ GfK

Permanente Teilaufmerksamkeit

Facebook, Instagram, Twitter & Co – Alle paar Minuten gibt es neue Posts und Feeds, die uns ständig auf dem Laufenden halten, egal wie irrelevant die Ereignisse für uns sein mögen. Wir arbeiten, lernen oder treffen Freunde und sind gleichzeitig mit einem Teil unserer Aufmerksamkeit im Netz unterwegs - aus Sorge etwas zu verpassen, oder weil wir verlernt haben, einer Sache unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken… 

Wenig Bindung, viele Möglichkeiten

Möglichst unabhängig sein, sich (erstmal) alles offen halten, Die Angst etwas zu verpassen – Die Möglichkeit aus zig Optionen wählen zu können ist für uns eine Selbstverständlichkeit, egal ob bei der Wahl des Studienfachs, der neuen Jacke, eines Autos oder der Freizeitgestaltung. Auch in Sachen Partnerwahl wird diese Einstellung schnell zur Hürde: Gerne wird in den Medien auch mal von der „Generation Beziehungsunfähig“ gesprochen (was mir persönlich nicht gefällt, da hier die „Fähigkeit“ mit der „Bereitschaft“ verwechselt wird). Ist bei dieser Fülle an Möglichkeiten Unzufriedenheit nicht vorprogrammiert? 

Erlebnisse zählen mehr als materielle Dinge 

Für die Generation unserer Eltern bestand der Sinn des Lebens überwiegend aus der Familiengründung und dem "Häusle-Bauen". Drei Urlaube im Jahr, ein sicherer Job – was wollte man mehr? Unsere Generation ist hingegen mit Wohlstand groß geworden. Finanzielle Unsicherheit haben wir vielleicht mal im Studium erlebt, aber notfalls fand sich immer irgendwo ein Job oder die Eltern halfen aus. Viel wichtiger sind uns Erlebnisse und neue Erfahrungen zu sammeln, die wir auch gerne auf Facebook, Instagram & Co teilen – ob als Mittel zur Selbstinszenierung oder zur Inspiration von Freunden. 

Wie passen Yoga & die Suche der Generation zusammen?

Ende 20, Anfang 30, das Studium liegt schon ein paar Jahre zurück, man hat seinen ersten oder zweiten Job, und ist ein wenig desillusioniert, was die Erfüllung im Arbeitsleben betrifft. Das eigene Liebesleben entspricht vielleicht auch nicht ganz den eigenen  Erwartungen und man hat keine so rechte Vorstellung davon, wie das eigene Leben in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aussehen soll…

Wieso ist Yoga nun für viele "Generation Y-ler" so interessant? 

Zeit für sich selbst  & 100% Aufmerksamkeit

Einen Yogakurs zu besuchen bedeutet, sich eine Auszeit zu nehmen. Rückzug aus dem hektischen Alltag, das eigene Tempo drosseln und Ruhe zulassen. Völliger Fokus auf Atmung und achtsame Bewegung ist eine Art von Rückbesinnung, ein Ankommen im Hier und Jetzt. Alles was zählt, bist im Yogakurs DU selbst. Diese bewusste Auszeit für sich selbst erscheint uns heute schon fast luxuriös, manch einem sogar als Zeitverschwendung. Letzten Endes ist es aber das wertvollste Geschenk, das wir uns selbst machen können, finde ich! 

Auf der Suche nach dem höheren Sinn 

Die Welt ist heute unglaublich schnelllebig und scheinbar ein riesiger Krisenherd. Religionen dienen heute nicht mehr als Anker oder Werte-Basis der Gesellschaft. Vielmehr sucht jeder nach irgendeiner Orientierung, nach einer emotionalen Verbindung zu sich selbst oder sogar nach einem "höheren Sinn" im Leben. Yoga vermittelt weitaus mehr als nur die reine Bewegungslehre. Viele Lehrer bringen Denkansätze oder Inspiration zum Nachdenken in ihre Kurse, sodass man dazu eingeladen wird, über seine eigenen Werte und Vorstellung zu reflektieren.

Gemeinschaft & Zugehörigkeit 

Soziale Zugehörigkeit & Gemeinschaft sind unserer Generation wichtiger als vielen älteren Menschen. Diese Gemeinschaft wird mehr durch Interessensgruppen gebildet als durch gesellschaftliche Schichten. Yogakurse bringen Menschen unterschiedlichster Herkunft aus allen Altersgruppen zusammen und verbinden sie durch ein besonderes Erlebnis, durch eine andere Art von Erfahrung. Diese Suche nach besonderen sozialen Events finden Yoga-Fans natürlich besonders bei Yoga-Formen wie Aerial Yoga (im Tuch), SUP Yoga oder Kombinationen aus Yoga & Surfen, Yoga & Wandern etc. 

Mehr Zufriedenheit

Dieses Gefühl: 5 Minuten im Savasana – im Einklang mit sich selbst sein und sich wie in Zuckerwatte verpackt fühlen. In diesem Moment braucht man nichts weiter – herrlich! Eine der wichtigsten Erkenntnis auf dem Weg seine tiefe Unzufriedenheit zu überwinden ist es, seine eigenen Erwartungen an sich selbst und anderen Menschen gegenüber zurückzuschrauben. Stabilität und Leichtigkeit / Flexibilität in Körper und Geist sind dazu das Fundament, die YogalehrerInnen den Schülern vermitteln können.


Über Deine Gedanken zu diesen Überlegungen würde ich mich freuen - einfach einen Kommentar hinterlassen! :)

Monkey Yoga
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