Entschleunigung & Heulanfälle: Was sich durch meine Schwangerschaft bisher verändert hat

Unglaublich: Gefühlt haben wir gerade erst erfahren, dass wir ein Kind bekommen, und nun ist schon mehr als die Hälfte der Schwangerschaft vorüber!

 

Dass ich mich körperlich verändert habe, konntet ihr während meiner Kurse oder bei Instagram vielleicht schon beobachten. In den letzten zwei Wochen ist mein Bauch so richtig nach vorne gepoppt und unser Baby, das nun so groß wie ein Maiskolben ist (passend zu „gepoppt“), scheint kaum zu schlafen, so oft spüre ich ihre kleinen Tritte gegen meinen Bauchwand ;). Aber auch mein Becken wird breiter (da muss ja auch das Köpfchen des Babys durchpassen) und mein Körper lagert hier und da (notwendige) Reserven für die Stillzeit ein. 

 

Doch neben diesen neuen Rundungen sind es vielmehr die mentalen und emotionalen Veränderungen, die mein Leben ganz schön verändern…. 

Mut zur Entschleunigung

Dass der Körper in der Schwangerschaft Hormone produziert, die müde machen, wusste ich schon aus Büchern. Aber dass ihre Wirkung mich so umhauen würde, hätte ich nie für möglich gehalten!

 

Anfangs kam ich morgens kaum aus dem Bett raus, und wollte am liebsten den ganzen Tag auf dem Sofa verbringen. Selbst der Gang zum Supermarkt hat mir zu viel abverlangt, sodass mein Mann in unserem Alltag ganz schön viel kompensieren musste. Diese extreme Form der Müdigkeit hat zwar mittlerweile nachgelassen, aber mein gewohntes Tempo als reines Energiebündel hat sich sehr gedrosselt. Morgens brauche ich eine halbe Ewigkeit, bis ich mal in den Tag gestartet bin, und auch Spaziergänge oder Yoga mache ich nur noch im Schneckentempo – und mit sehr viel Achtsamkeit. Dieses neue Energielevel zu akzeptieren, hat mich anfangs unglaublich viel innere Kraft gekostet und einige Tränen der Verzweiflung hervorgerufen. Aber je größer unser Baby wird und je mehr ich die Verbindung zu ihr spüre, desto leichter fällt es mir, „ihr“ bereitwillig meine Energie zu schenken, dabei zu lächeln, und die Entschleunigung anzunehmen.

Wohin mit all diesen Gefühlen…?

Da ich mich selbst als eher rationalen Menschen einschätzen würde, habe ich früher eher nur Gefühlsausbrüche bekommen, wenn es um Verlustängste und Eifersucht ging. Seitdem ich schwanger bin, weiß ich plötzlich gar nicht mehr, wohin mit all diesen Gefühlen!

 

Besonders das Wort "Mitgefühl" nimmt in meinem Leben plötzlich sehr viel Raum ein. Dabei kann das Mitgefühl, das ich für mein ungeborenes Baby und mich selbst spüre – z.B. wenn ich mich ungerecht behandelt fühle - schon mal zu einem halben Nervenzusammenbruch führen. Ich bin schneller emotional überfordert, und scheine meinen emotionalen „Panzer“ um mich herum komplett abgebaut zu haben. Aber auch im Umgang mit anderen Menschen bin ich viiiiel sentimentaler als früher. Erzählt mir jemand etwas persönlich Berührendes, habe ich wirklich Schwierigkeiten, nicht gleich in Tränen auszubrechen oder den Menschen in den Arm nehmen zu wollen. Ich erfülle dieses Klischee also, dass Schwangere sehr viel emotionaler und sentimentaler sind ;)!

Nein  sagen fällt mir leichter

Früher konnte ich eigentlich gar nicht nein sagen, und verrenkte mich regelrecht, um niemanden zu enttäuschen, und um nichts zu verpassen. Das ist in den letzten Jahren schon besser geworden und ich habe mir mehr Ruhephasen in meiner Freizeit gegönnt. Häufig jedoch waren meine Absagen Freunden und Familie gegenüber von einem dicken schlechten Gewissen oder einem Gefühl von Hin- und Hergerissen-Sein begleitet. Die Folge? Ich war innerlich oft extrem unentspannt, und konnte meine Ruhe dennoch nicht wirklich genießen.

 

Heute fällt mir das Nein-Sagen viel leichter und ich plane wesentlich weniger. Aber auch auf der Matte beim Yoga, wo ich früher in jedem Kurs auch über meine Grenzen hinausgegangen wäre, um die Anweisungen des Lehrers zu befolgen, sage ich STOPP, wenn es sich nicht richtig anfühlt. Und diese Erkenntnis, dass ich persönlich durch diese Fähigkeit so einen Fortschritt mache und nichts mehr erzwinge, fühlt sich wahnsinnig gut an! 

Die Unsicherheit annehmen

Mein Leben war früher sehr gradlinig, und durchgeplant, weil ich nichts dem Zufall überlassen wollte. Ich hatte eine klare Vision vor Augen, was ich erreichen wollte, und bevor ich den nächsten Schritt ging, hatte ich schon im Kopf, welche Schritte danach folgen sollten. Ein Gefühl der "Sicherheit" und Kontrolle über mein Leben gab mir innerlich Ruhe. 

 

Seitdem ich zu Yoga gefunden habe, hat sich meine Vision, meine Vorstellung für mein Leben, radikal verändert. Zufriedenheit, Gelassenheit, Gesundheit und der Wunsch, meinem Herzen zu folgen, haben meine früheren Vorstellungen vom Streben nach Karriere abgelöst. Doch jetzt, da ich Mutter werde, und unbedingt viel für mein Kind da sein möchte, ist mir bewusst, dass mein "Plan" für die nächsten Jahre recht wenig vorhersehbar ist. In welchem Job werde ich (nach der Elternzeit) arbeiten? Wie viel Zeit werde ich haben, um Yogakurse zu geben oder selbst auf die Matte zu kommen? Wann werde ich meine großen Träume von der völligen Selbstständigkeit umsetzen können?

All diese Fragen beschäftigen mich gerade in der Schwangerschaft natürlich auch. Anfangs wusste ich nicht, wie ich mit dieser Unsicherheit umgehen sollte, doch jeden Tag fällt es mir leichter, mehr Vertrauen zu haben, dass alles so kommen wird, wie es gut für unsere kleine Familie ist. Ich lerne anzunehmen, dass ich nicht mehr alles kontrollieren kann, auch wenn es mir richtig schwer fällt...

Dankbarkeit für das Leben

Vieles habe ich früher für selbstverständlich angesehen und war ständig darauf bedacht, mich selbst und mein Leben zu „optimieren“. Sobald ich wieder etwas erreicht hatte, freute ich mich kurz, aber setzte meine Ziele und Erwartungen einfach wieder höher, um die nächste Hürde zu überwinden. Pausen, um inne zu halten, wahrzunehmen, wie gut es mir geht, und wie tolle Menschen ich um mich herum habe, nahm ich mir dabei zu viel selten.

 

Der Moment, in dem ich erfuhr, dass ich schwanger bin, hat alles verändert und eine unglaublich große Demut in mir hervorgerufen. Ich wusste, dass es ein riesiges Glück ist, das Daniel und ich erleben dürfen. Die Evolution und das Leben an sich sind ein Wunder der Natur, und diese kleinen Bewegungen unseres Babys in meinem Bauch zu spüren, bringt mich in jedem Moment ins Hier und Jetzt. Meine Gefühle der Dankbarkeit und der Liebe für das kleine Wesen in mir sind so groß, dass ich manchmal fast Angst davor bekomme, Mama zu werden – weil ich weiß, dass unsere Tochter ALLES für mich sein wird. Und ich kann es gar nicht abwarten, sie endlich in meinen Armen halten zu dürfen...

“I once had a thousand desires. But in my one desire to know you - All else melted away.”

Rumi 


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