Warum ich vor jedem Yogakurs Angst habe

monkey yoga, Lisa Kauff
Foto: Parallel Dream (www.parallel-dream.de)

Ihr Lieben, es ist mir ein großes Bedürfnis, Euch ein Geständnis zu machen: Vor jedem Yogakurs, den ich unterrichte, habe ich Angst zu versagen…

Scham: Ein äußerst heimtückisches Gefühl

Gestern, im 5. Teil meines Kurses für Selbst-ging es um den Umgang mit schwierigen Gefühlen wie Angst, Enttäuschung, Ärger etc. Für viele Gefühle, die wir nicht fühlen wollen, entwickeln wir ein „schlaues“ System, wie wir unsere Gefühle unterdrücken oder ignorieren. Dadurch verschwinden sie allerdings nicht aus unserem Kopf, sondern landen im Unterbewusstsein. Und fügen uns über die Zeit immer mehr Leid zu…

 

In einer Meditation sollten wir dann eine Situation nachempfinden, in der wir „Scham“ sehr intensiv erlebt haben. Heißt: Wir möchten im Boden versinken, wären am liebsten unsichtbar. Scham ist ein äußerst heimtückisches Gefühl, dass sich oft hinter anderen Gefühlen wie Angst oder Wut verbringt. Dadurch erkennen wir teils nicht, wie mächtig Scham auf uns wirken kann. Bei manchen Menschen führt sie sogar soweit, dass es ihre Haupt-Motivation ist, Situationen zu vermeiden, in denen sie sich schämen könnten. 


Besonders wenn man aus seiner Komfort-Zone heraustritt, kommt die Ungewissheit, ob man gut genug sein wird, um zu bestehen. Und mit dieser Unsicherheit oft die Scham…

mein Aha-Erlebnis: Meine Angst vor jedem Kurs

Also Augen zu und los – die Meditation beginnt, und im ersten Moment bin ich sicher, ich hätte mich seit Jahren nicht mehr geschämt. Kurz davor abzudriften, kam mein Aha-Erlebnis: Mir fielen all die schwierigen Stunden vor meinen Yogakursen ein, die ich unterrichte. Der erste Kurs im Park vor 1,5 Jahren war für mich das wohl das schwierigste Erlebnis. Ich hatte bei der Vorstellung gleich jede Menge erwartungsvolle Yogis vor mir zu haben, Herzrasen, Angst meine Teilnehmer zu enttäuschen oder mitten im Kurs nicht mehr weiterzuwissen. Meine gute Vorbereitung konnte mich da auch nicht beruhigen. Besonders große Angst hatte ich davor, „entlarvt“ zu werden von langjährigen Yogis, die schon 100te von Kursen besucht hatten. Ich hatte Angst vor ihrem Urteil. 


Sobald der Kurs losging, stand ich erstmal neben mir und versuchte mich zu beruhigen. Sagte mir, dass ich nicht perfekt sein muss. Dass Fehler machen ganz menschlich ist. Und jedes einzelne Lächeln von Teilnehmern schenkt mir dabei Mut und Stärke, und die Sicherheit, dass ich das richtige tue.

Die soziale Bedeutung der Scham

Scham führt, körperlich gesehen, zum Ausstoß eines Botenstoffs, das uns schwach und wie gelähmt fühlen lässt. Jeder Mensch trägt das Gefühl in sich, wir lernen es im Alter von ca. 2 Jahren. Es hat eine wichtige soziale Funktion, ohne die die Gesellschaft sich nicht entwickeln könnte: Wir verhalten uns regel- oder normkonform, um nicht ausgestoßen zu werden. Doch in vielen Gesellschaften ist die Scham zu einer Art „Zwangsjacke“ geworden, durch die wir uns in unseren Möglichkeiten einschränken. Wir vermeiden sie lieber, als uns Neues zu trauen, über unsere Komfort-Zone hinauszutreten. 

Wieso ich das Unterrichten dennoch liebe

Natürlich war und bin ich nicht die perfekte Yogalehrerin. Und anfangs ärgerte ich mich über jeden Fehler, den ich in meinen Stunden machte. Doch es gibt so unglaublich viele tolle SchülerInnen, die mir sagen und zeigen, wie wertvoll meine Stunden für sie sind. Und es fühlt sich wahnsinnig toll an, diesen positiven Einfluss zu haben und Gutes zu tun. Und so merkte ich immer mehr, dass ich mit jedem einzelnen Yogakurs Menschen bewegen und ihnen Freude bereiten kann. 

 

Natürlich gibt es immer auch Kritiker, doch fällt es mir nun leichter mich durch sie nicht an mir selbst zweifeln zu lassen. 

Diesen Schritt zu wagen und meine Angst zu überwinden, hat mich wachsen lassen und mir den Mut gegeben, meine Scham zu überwinden, weitere große Schritte zu geben - selbst wenn sie mit Unsicherheit verbunden sind. Doch das ist Leben in seiner reinsten Form. 

 

Namaste.

 

monkey yoga
Foto: Parallel Dream (www.parallel-dream.de)

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