Der Fluch der Unverbindlichkeit – Und was er mit uns macht

Kennt ihr das? Man trifft sich unerwartet im Vorbeilaufen oder im Fitnessstudio, quatscht für ein paar Minuten. Am Ende schlägt man vor, doch mal einen Kaffee zusammen trinken zu gehen. Doch vor lauter 100 anderer To Do's kommt es selten dazu…

 

Früher war es völlig normal, eine Verabredung eine Woche im Voraus festzuhalten, und zum vereinbarten Zeitpunkt an Ort X zu sein. Smartphones gab es damals keine, sodass man sich ohnehin nicht kurzfristig absagen konnte. Doch heute fällt es uns so unglaublich schwer, uns auf feste Verabredungen einzulassen. 

Wieso fällt uns Verbindlichkeit so unglaublich schwer?

Überall im Leben sind die Optionen, zwischen denen wir wählen können, ins Unermessliche gewachsen. Was ja erstmal eine schöne Sache ist. Aber gleichzeitig ist diese riesige Auswahl ein echter Fluch, weil wir in manchen Belangen völlig verloren sind.  Eine Auswahl unter 1000 Optionen zu treffen, erfordert Mut, Stärke und Standfestigkeit. Und es bedeutet in Kauf zu nehmen, dass wir vielleicht nicht die „beste“ aller Entscheidungen getroffen haben!

Und deshalb ist diese Unverbindlichkeit so reizvoll – wir halten uns einfach alle Optionen offen, solange es geht... 

Jede unserer Entscheidungen hat Konsequenzen - auch auf die Gefühle anderer

Unsere Entscheidungen haben immer Konsequenzen und können gerade bei Menschen, die uns wichtig sind, negative Gefühle hervorrufen. Ich bin ganz ehrlich: Ich fühle mich wenig wertgeschätzt, wenn mir eine Freundin, mit der ich einen Cafébesuch am Wochenende plane, sagt, sie würde mir dann am Freitag Bescheid geben, ob es klappt. Also genau einen Tag vorher. Man fühlt sich wie die zweite, dritte oder zehnte Wahl. So ein bisschen wie damals im Sportunterricht, wenn man erst in eine Mannschaft gewählt wurde, als fast niemand mehr übrig war.

Silvester- oder Urlaubsplanung - Zu- oder Absagen als Mangelware

Besondere Tage wie Silvester lassen unsere Unverbindlichkeit nochmal sprunghaft ansteigen, finde ich. Eine eigene Silvester-Party zu Hause zu planen, ist deshalb zu einem Graus geworden. Niemand sagt zu, aber auch bis kurz vor knapp nicht ab. Genauso unmöglich oder nervenaufreibend: Urlaube mit einer Gruppe von Freunden zu planen. Nicht, weil die Urlaubstage nicht vom Chef abgesegnet wurden, sondern weil man sich (noch) nicht für oder gegen den gemeinsamen Urlaub entscheiden möchte. Es könnte ja was besseres kommen...

Unpünktlichkeit - die kleine Schwester der Unverbindlichkeit

Mit der Unverbindlichkeit geht auch die Unpünktlichkeit einher, auf die ich regelrecht allergisch reagiere. 5 Minuten sind okay, 10 Minuten nur, wenn man rechtzeitig Bescheid gibt, dass man sich verspätet. Doch alles darüber hinaus ist meist ein Resultat aus einem zu knappen Zeitmanagement, bei dem man schon in Kauf nimmt, jemanden warten zu lassen. Fast immer hat man es in der Hand, ob man es pünktlich schafft!

So, genug gejammert. Aber ich denke, die Beispiele helfen dabei zu verstehen, was ich meine. 

 

Ich glaube, dass es unserer Gesellschaft wahnsinnig gut tun würde, wenn jeder Einzelne versuchen würde, wieder mehr Verbindlichkeit zu leben! 

Einfache Tipps, wie wir mehr Verbindlichkeit leben

  1. Lieber weniger planen, dafür aber sicher einhalten können: Nimm Dir einfach weniger vor, und vermeide damit Freizeitstress. Außerdem wirst Du schnell merken, dass Du Dich viel gelassener fühlst und ruhe in Dein Leben bringst...
  2. Bedürfnisse aussprechen: Es gibt ja diese Freunde, die Unverbindlichkeit besonders schätzen. Selbst mit zwei Tagen Vorlauf halten sie es sich lieber offen, ob man Samstagmittag Zeit für einen Kaffee hat. Sprich deshalb Deine Bedürfnisse offen an und sage, dass Du Dir eine konkrete Zu- oder Absage wünschst. Weil Du Dich sonst wie der Notnagel fühlst.
  3. Ehrlich absagen, anstatt aus Höflichkeit offen zuzusagen: Klar, wir haben Angst vor Ablehnung und möchten immer höflich bleiben. Doch dieser Höflichkeitscode ist für die meisten ohnehin zu entziffern und führt nur zu noch mehr „Pseudo-Höflichkeit“
  4. Zeit fürs Date mit Dir selbst einplanen: (z.B. für Yoga oder die Badewanne) und in den Kalender eintragen 
  5. Pünktlich sein: Plane lieber 10 Minuten mehr Zeit ein und nimm‘ Dir ein Buch mit, als jedes Mal 5 Minuten zu spät zu kommen. Das nimmt Dir Stress und Deinen Freunden gibst Du damit das Gefühl der Wertschätzung. Wollen wir uns nicht alle auf den anderen verlassen können? 

Du möchtest keinen Beitrag mehr verpassen? Dann trage Dich gerne für meinen Newsletter ein! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0