Yoga & Veganismus: Muss das sein?

Es hält sich das Vorurteil, dass alle praktizierenden Yogis vegan – oder wenigstens vegetarisch - leben. Doch Fakt ist, dass sich auch viele Yogalehrer bewusst gegen eine 100% fleisch-freie Lebensweise entscheiden. Ich selbst lebe nicht vegan, doch esse ich nur sehr selektiv Fleisch und wähle dabei bewusst aus, was ich esse. Doch wie lässt sich die vegane Ernährungsweise eigentlich im Yoga einordnen?

Das Prinizip der Gewaltlosigkeit in der Yoga-Philosophie

Die körperliche Praxis, die man im Westen meist als Yoga versteht, ist ja nur ein Bestandteil der Yoga-Lehre. Doch Yoga besteht aus weiteren 7 Gliedern, die in den uralten Schriften von Patanjali, den Yoga Sutren, beschrieben werden. Eines davon beschreibt yogische „Handlungsweisen“ („Yamas“). 

 

Das Prinzip „Ahimsa“ - Sanskrit für Gewaltlosigkeit -, ist in den uralten Schriften Patanjalis, den Yoga Sutren, verankert. Es bezeichnet eine Lebensweise, die ohne Gewalt auskommt. Dabei ist jegliche Ausübung von Gewalt gegenüber Tieren und der Umwelt, aber auch Menschen und sogar Dir selbst, gemeint. Überträgt man dieses Prinzip auf die Frage nach dem Essen, ist irgendwie klar, wohin das führt. Das Töten von Tieren ist definitiv nicht yogisch! Um es klar zu sagen: Ich finde es bemerkens- und erstrebenswert, vegan oder vegetarisch zu leben und unterstütze eine solche Lebensweise voll und ganz. 

Über Autofahren, Stromverbrauch und Lebensmittel entsorgen

Es fallen jedoch eine Vielzahl anderer Handlungsweisen darunter, durch welche wir nicht friedvoll leben. Man könnte alleine 1000 Dinge aufführen, die unserer Umwelt schaden. Autofahren, Plastikmüll oder zu viel Wasser/ Strom zu verbrauchen, schaden unserem Planeten immens. Und so ist unser persönlicher Ernährungsstil nur eine Facette des yogischen Prinzips "Ahimsa".

Mäßigung in all unserem Tun ist das Stichwort!

Für mich ist es deshalb entscheidend, dass ich zum einen das Bewusstsein habe, wo ich NICHT im Einklang mit diesem Prinzip lebe, um etwas zu ändern. Beispielsweise, Wenn ich das Auto nehme, obwohl ich Fahrrad fahren könnte. Oder wenn ich Lebensmittel wegschmeiße, weil ich zu viel gekauft oder schlecht geplant habe. Das ließe sich nun ewig fortsetzen, aber ich denke, ihr wisst, was ich meine. Eine absolute Lösung gibt es nicht, es sei denn, man entscheidet sich für ein völliges autarkes Aussteiger-Leben. 

 

Für mich ist deshalb Mäßigung das Stichwort im Umgang mit dem Konsum von Fleisch, aber ebenso mit dem Verbrauch von Strom, Wasser oder z.B. dem Trinken von Wein und Kaffee. Das bedeutet, ich versuche möglichst wenig „Schaden“ anzurichten in meinem Handeln.

Und wie steht’s mit dem Umgang zwischen uns Menschen?

Doch mir persönlich missfällt die nicht-körperliche Gewalt an anderen Menschen am allermeisten. Und ich glaube auch, dass sie tatsächlich den größten Schaden auf unserer Welt anrichtet. Leider ist dieser Schaden nicht messbar, weshalb vielleicht so selten darüber gesprochen oder berichtet wird. Menschen verurteilen, belügen, missachten oder geringschätzen anderen Menschen Tag für Tag, teils ohne dass es ihnen bewusst wäre. Und dieses Leid wird verinnerlicht und, größtenteils unbewusst, an unsere eigenen Kinder weitervermittelt. Das macht mich wirklich traurig und ich hoffe, dass unserer Tochter diese Form von Gewalt lange erspart bleibt, bis sie alt und stark genug ist, sie nicht persönlich zu nehmen. 

Aber was ist nun richtig?

Mit diesem Beitrag möchte ich niemanden bekehren oder missionieren, sondern Bewusstsein schaffen, und etwas über die Yoga-Lehre vermitteln. Die Entscheidung darüber, wie man sein Leben gestaltet, liegt bei jedem Einzelnen. Also: Niemand muss vegan leben, um Yoga zu praktizieren! 

 

Natürlich wäre es das beste für unseren Planeten, 100% friedvoll zu leben und keinem Lebewesen oder der Umwelt zu schaden. Dass das unrealistisch in unserer heutigen Welt ist, ist aber auch klar. Aber: Wenn jeder einen Teil dazu beiträgt, sein eigenes Bewusstsein zu schärfen und sein eigenes Handeln zu überdenken, können wir – Stück für Stück – mehr Gewaltlosigkeit auf der Welt schaffen. 

 

Ich freue mich zu erfahren, wie Du über Veganismus und Gewaltlosigkeit denkst 😊. 

 

Namasté. 


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