Über (negative) Facebook-Bewertungen, mein "altes" Ich & Gleichmut

Vor ein paar Tagen war es mal wieder soweit. Mein altes „Ich“, verletzlich, übersensibel und abhängig von Lob und Bestätigung anderer, übernahm das Kommando. Über Facebook erhielt ich für Monkey Yoga eine vernichtende Bewertung von einer Frau, die ich noch nie zuvor getroffen hatte. Teil einer JGA-Gruppe, die einen privaten Kurs bei mir gebucht hatte, aber zu spät und ohne Bescheid zu geben am verabredeten Standort ankamen. Als ich bereits wieder auf dem Heimweg zu meinem Baby & Mann war. Per Mail (eine Telefonnummer gaben sie mir nicht) tauschten wir uns noch aus und ich entschuldigte mich bei ihr. Aber ich sagte auch, dass man sich doch melden kann, wenn man sich verspätet! 

Trauer & Frust – Bye bye innere Ruhe 

Trauer, Frust und Enttäuschung überrollten mich völlig unerwartet beim Lesen der Bewertung, und jegliche Gelassenheit und Gleichmut waren auf einen Schlag verschwunden. Ich empfand es als super ungerecht und fühlte mich vollkommen hilflos darüber, dass irgendeine Person die „Macht“ hat mich in ein so negatives Licht zu rücken, ohne jemals persönlich mit mir zu sprechen. Auf der anderen Seite ärgerte ich mich über mich selbst, dass ich mich davon so runterziehen lasse! 

Über Kritik aus sicherer Entfernung - hinter dem Bildschirm 

Während meine vernünftige Stimme (und mein Mann 😉) versuchte mir gut zuzureden, dass so viele Menschen gerne zu meinen Yogakursen kommen und sie sie zu schätzen wissen, vernebelte mir die Welle an negativen Gefühlen meine Gedanken. Jeden Tag stecke ich so viel Energie in meine Kurse, die für jeden zugänglich sind, schreibe Artikel und versuche Gutes zu hinterlassen - und das ist der Dank? Wie kann es sein, dass so viele Menschen, die regelmäßig Yoga mit mir üben, keine Bewertung dalassen, wenn es ihnen doch gefällt? Was ist aus unserer jungen Generation geworden, dass man seinem Unmut digital und aus sicherer Entfernung hinter dem Screen freien Lauf lässt, aber bei tollen Erfahrungen die Zeit nicht aufbringt, auch mal positives Feedback zu teilen (aber natürlich gibt es auch Menschen, die nach Kursen zu mir kommen und sich bedanken…)? 

Der Arzt, das Restaurant um die Ecke & der Yogalehrer – alles wird bewertet 

Heutzutage kann man alles und jeden im Internet bewerten. Egal, ob es der Arzt, das Restaurant um die Ecke, der Taxifahrer, die Ferienwohnung oder die Yogalehrerin ist. Und immer häufiger werden dabei negative Bewertungen als Instrument genutzt, um seinem Ärger Luft zu machen. Wie traurig, oder? Wie bringst Du Deine Freude oder Begeisterung über Dinge zum Ausdruck? Indem Du Freunden oder Deinem Partner von Deiner Erfahrung erzählst? Vielleicht verliert man sogar den Blick für die Dinge, die einem gefallen, und die Freude hält nur kurz an, bis man sich wieder anderen Dingen widmet. Also, ihr Lieben: Ganz egal, ob Du Lob oder (negative) Kritik aussprechen möchtest, lasst uns wieder persönlicher werden und uns immer in unser Gegenüber hineinversetzen! Feedback lässt sicher immer auch voller Respekt und Achtung übermitteln, sodass man nicht unnötig verletzt! 

Gleichmut: Eines der höchsten Ziele in der Yoga-Philosophie 

Fakt ist: Mich hat die Bewertung aus der Bahn geworden, und in diesem Moment halfen all meine Tools aus der Yogakiste nicht weiter, die mich sonst beruhigt hätten! Dabei hatte ich in meiner Yogalehrer-Ausbildung etwas ganz Wichtiges gelernt: Im Yoga ist „Gleichmut“ eines der höchsten spirituellen Ziele, um eine tiefe innere Zufriedenheit zu erlangen. Aber was bedeutet „Gleichmut“ konkret? Gleichmut beschreibt einen Zustand, in dem wir uns nicht mehr durch Geschehnisse im Außen aus unserer inneren Ruhe bringen lassen. Puuuh, das klingt nach einem ziiiemlich hohen Ziel, das in meinen Augen absolut erstrebenswert ist. Wie viel entspannter würde es sich leben lassen mit solch einer ausgeglichenen inneren Haltung! Aber die Vorstellung davon, sich durch nichts mehr aus der Ruhe zu bringen, finde ich – irreal. Gibt es das wirklich? Ich bin auf jeden Fall noch meilenweit davon entfernt 😊.

Was ich gerne erreichen möchte...

Was ich wirklich gerne erreichen möchte, ist, dass ich einfach immer WEISS, dass ich genau auf dem richtigen Weg bin, Menschen mit meinem Yoga zu helfen. Und es auch okay ist, Fehler zu machen. Ich möchte mich völlig frei machen von Lob (!) und Kritik, völliges Vertrauen in mich haben, genau richtig so zu sein, wie ich bin. Das bedeutet nicht, dass ich nicht dankbar bin für Feedback. Sondern dass mein Selbstwertgefühl davon nicht tangiert wird, und meine Gefühlswelt nicht völlig ins rudern gerät bei positiver oder auch negativer Kritik von außen. Mir ist klar, dass der Weg sehr weit ist und ich vielleicht nie dorthin gelangen werde. Die Erkenntnis darüber, wo ich stehe und wohin ich möchte, ist aber ein wichtiger Schritt für mich auf diesem Weg.

 

Namasté.


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Kommentare: 2
  • #1

    Silke Hebauf (Freitag, 15 Juni 2018 18:55)

    Liebe Lisa, ich kenne auch dieses Ohnmachtsgefühl die mir meine Gefühle bereiten, wenn so etwas passiert wie negative Kritik, Ungerechtigkeit usw.
    Gelassenheit ist manchmal wirklich nicht einfach. In deinem Fall mit dieser Frau war es nur gut, dass ihr euch nie getroffen habt. Solche Menschen sollen dir nicht begegnen mit so einem schlechten Karma.
    Zu deinen Kursen kann ich dir nur sagen ich vermisse sie zur Zeit sehr. Ich hab meinen Fuß gebrochen und kann nur eingeschränkt Yoga machen.
    Auch das ist eine Übung gelassen zu bleiben.
    Ich wünsche dir ganz viel Glück und Ausdauer weiter zu machen
    Namaste
    Silke

  • #2

    NNE (Samstag, 16 Juni 2018 08:16)

    Oh ja....dieses ewige alles richtig machen zu wollen. Das ist auch im Ehrenamt so. Irgendwann brannte ich dafür Vorsitzende zu sein, hatte das Grfühl etwas nachhaltig zu schaffen, über mehrere Generationen....bis mir auffiel das nur gemeckert wird....auch direkt...über Kleinigkeiten.... Da zwackt man seine persönliche Zeit ab aus Überzeugung und Leidenschaft...aber leider kippt es...
    Ich bin leider überhaupt nicht bei mir. Ständig rege ich mich darüber auf und lasse mich runter ziehen.