Stabilität (& Leichtigkeit): Wie Yoga mir beibrachte, mit mehr Leichtigkeit zu leben

Monkey Yoga Mainz, Leichtigkeit

Früher gönnte ich mir keine Pausen und lebte ständig nach dem Motto: Höher, schneller, weiter. Als ich dann zum ersten Mal in einer Yogastunde lernte, dass die Balance aus Stabilität & Leichtigkeit in jeder Asana elementar sei, ebenso wie überall im Leben, wurde es mir auf einen Schlag bewusst. Es war ein Moment der Erkenntnis - über mich, mein Leben, und die Gründe für ganz vieles, was in meiner Vergangenheit passiert war. Ich erkannte, dass es kaum Leichtigkeit in meinem Leben gab, sondern ich alles kontrollierte und lenken wollte. Ich glaubte, dass ich selbst mein Glück in die Hand nehmen musste, und nichts dem Zufall – oder irgendjemand anderem – überlassen konnte. Dieses Denken spiegelte sich in allem wider, was ich tat, dachte und aussprach.   

Aber erstmal einen Schritt zurück: Die Asana-Praxis, also die reine Körperlehre, ist nur ein Bestandteil des Yoga, aber für die allermeisten Menschen in Deutschland der „Einstieg“ in die große Welt des Yoga. Yoga in der traditionellen indischen Lehre ist jedoch weitaus mehr als nur Asanas: In den Jahrtausende alten Yoga Sutra wird nur in 3 von 195 Versen von Asana gesprochen. Und einer dieser 3 hat in meinem Leben ganz viel verändert (2.46-48): „Sthira Sukham Asanam“.

  • sthira = kraftvoll, fest, stabil
  • sukham = leicht, bequem, entspannt
  • asanam = Haltung

Im ursprünglichen Sinn bezieht sich dieser Satz darauf, dass das Sitzen, also die Körperhaltung während der Meditation, stabil und dennoch bequem sein sollte. Doch im weiteren Sinn wird auch auch die Art und Weise der Bewegungen des Körpers im Yoga, als auch unser Denken und Handeln im Alltag, durch diesen Satz definiert. 

Bevor ich meine ersten Yogakurs erlebte, bestand meine Freizeit aus kraftvollen Sportarten, bei denen ich meine körperlichen und mentalen Grenzen immer weiter ausreizen konnte. Mindestens 5 Mal pro Woche, und je anstrengender, desto besser, Hauptsache ich fühlte mich danach so richtig kaputt. Spinning, Mountainbiken, Squashen, Joggen und Langhanteltraining. Sthira im Überfluss, von Leichtigkeit keine Spur. Entspannung gönnte ich meinem Körper damals nur im Schlaf. 

Im Yoga sagt man, dass alles miteinander verbunden ist. Körper, Geist und Seele sind eine Einheit. Fehlt die Balance in einem Bereich, so stellt sich auch im anderen Bereich kein Gleichgewicht ein. Und genauso war es auch: Ich war so innerlich unruhig und unausgeglichen, dass mich jede noch so kleine Kleinigkeit aus der Fassung brachte. Streitereien zog ich magisch an, und ich war die schlimmste Kritikerin überhaupt. Solange ich alles unter Kontrolle hatte und die Dinge nach meinen Vorstellungen abliefen, war es okay. Aber wehe, jemand tanzte nicht nach meiner Pfeife...! An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei allen Menschen entschuldigen, die früher unter meinem Temperament leiden mussten! ;)

Aber nun zurück zu meinem Wendepunkt: Seit diesem Tag, als mir auf der Yogamatte bewusst wurde, dass es mir vollkommen an Leichtigkeit & Gelassenheit fehlt, begann ich, mich selbst zu beobachten und mein Verhalten zu reflektieren. Und mir wurde klar, wie sehr ich mir selbst im Weg stehe, wie unfassbar anstrengend ich es mir im Leben selbst mache. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich übrigens einen Job, in dem mir mein Überfluss an Sthira sehr zugute kam: Als Internal Auditor in einem Konzern MUSSTE ich kontrollieren, hinterfragen, kritisieren und immer vollkommen stark auftreten.   

Mein Denken und mein Verhalten änderten sich nicht von heute auf morgen, das gebe ich zu. Die eigenen Erwartungen und Sichtweisen anzupassen, ist ein langer und nicht leichter Prozess. Aber Worte wie „loslassen“ und „annehmen“ entwickelten auf mich eine magische Anziehungskraft und ich wollte unbedingt wissen, wie es sich anfühlt, mit mehr Leichtigkeit zu leben. Meinen Job zu wechseln, war auf diesem Weg ein ganz wichtiger Schritt. Doch ich spürte, dass auch meine Beziehungen eine völlig neue Qualität frei von ständigen Konflikten bekommen könnten, wenn ich endlich aufhörte, der Kontrollfreak zu sein, und lerne mich fallen zu lassen und zu vertrauen. 

Auf diesem Weg gab es gute und schlechte Tage, „Erfolge“ und „Rückschläge“. In manchen Belangen fiel es mir leichter, als in anderen. Meine regelmäßige Yogapraxis wurde für mich schnell zu einem ganz wichtigen Bestandteil, und in Savasana spürte ich dabei ganz besonders, an welchem Punkt ich mich gerade befand (tausend Gedanken / Affen im Kopf, oder eine tiefe innere Ruhe…?). 

Nun ist dieser Text viel länger geworden, als ich dachte. Und ich könnte noch unzählig viele Geschichten aus meinem Leben erzählen, die Euch schockieren würden 😉. Letzten Endes hoffe, dass ich Euch auf diese Weise das Prinzip von Sthira & Sukha näherbringen konnte, und Euch so vielleicht zum Nachdenken anregen konnte. 

Namasté.


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