„Nur“-Yogalehrerin: Warum ich damit hadere & wie alte Glaubenssätze meine Zweifel nähren

Lisa Kauff, Monkey Yoga Mainz
Foto: www.parallel-dream.de

Häufig werde ich gefragt, ob ich zukünftig nur noch als Yogalehrerin arbeiten möchte (bis zur Schwangerschaft mit Frida war ich als BWLerin Vollzeit in einem Konzern beschäftigt). Dabei bekommt dieses Wort „nur“ eine übermäßige hohe Bedeutung für mich. Ich bin verunsichert und spüre, wie dieser Keim an Zweifel in mir lauter wird, ob ich damit leben kann, „nur“ Yoga zu unterrichten und sonst nichts zu "arbeiten". 

Alte Glaubenssätze und Selbst-Wert: Leistung vs. Sein

Karriere, Leistung und ein hohes Fix-Gehalt spielten in meinem „früheren“ Leben eine immense Rolle. Über die Jahre erkannte ich hinter meinem ständigen Streben nach „besseren“ Jobs und Gehaltssteigerungen eine tief verankerte unterbewusste Lebensregel („Glaubenssatz“) in mir. Ich definierte meinen Selbstwert über Leistung und "angesehene" Jobs und hatte große Angst davor, nichts zu zählen, wenn ich nicht ständig mit überragenden Ergebnissen begeistere. Und klar ist: Mit einer solchen inneren Überzeugung lebt es sich sehr unentspannt, denn „ausruhen“ würde ja bedeuten, den eigenen Wert zu mindern…

Mein Yogaweg: Glücklich anstatt "reich"

Nachdem sich diese wichtige Erkenntnis vor ein paar Jahren offenbarte, fiel es mir leichter zu akzeptieren, dass mich mein Weg als Yogalehrerin (und Klein-Unternehmerin) definitiv glücklicher, wenn auch nicht „reich“ machen wird, und das auch okay -nein- absolut gut, so ist.  Denn was ist mein Leben schon wert, wenn ich mir (und anderen) immer nur beweisen möchte, dass ich doch ganz oben auf der Karriereleiter ankommen könnte - und mich auf diesem Weg selbst verliere? 

Und doch gibt es da noch die Suche nach Anerkennung...

Doch trotzdem spüre ich diesen Zweifel aufkeimen, sobald ich im Gespräch erkläre, dass ich Yogalehrerin bin. Schnell versuche ich zu relativieren, dass ich nur „nebenberuflich“ und auch nur „temporär“ NUR Yogalehrerin bin. Denn Yoga-Lehren ist ja irgendwie ein recht „einfacher“ Beruf. Doch sobald ich diese „Rechtfertigungen“ ausspreche, fühlt es sich an, als würde ich mich selbst betrügen und abwerten. Denn warum sollte es nicht okay sein, NUR Yogalehrerin zu sein? Habe ich Angst vor Abwertung durch Menschen, deren Wertesystem auf Leistung und Status beruht? Auf jeden Fall! Denn diese Anerkennung und Bewunderung im Außen war für mich lange ebenso ein Maßstab für meinen Selbstwert, wie mein Gehalt, das jeden Monat auf mein Konto floss. 

Fazit: Ich tue etwas, das mir am Herzen liegt. Und in dem ich viel bewegen kann. Und das ist gut so! 

Auch diese Erkenntnis ist eine ganz wichtige für mich, um in Zukunft nicht ins Stolpern zu geraten, wenn ich nach meiner Beschäftigung gefragt werde. Und ich übe mich darin, mich immer wieder daran zu erinnern, dass meine Arbeit mit Menschen einen ganz großen Wert für meine Teilnehmer hat, und ich mit meinem Tun ganz viel bewegen kann. Weit mehr, als ich es in jedem meiner vorherigen Jobs hätte bewegen können! 

Meine Hoffnung: Dass der Beruf des Yogalehrers einen höheren Stellenwert bekommt

Und trotzdem hoffe ich, dass der Beruf des Yogalehrers in ein paar Jahren weit mehr Anerkennung und Beachtung bekommt, als es aktuell der Fall ist. Denn wir sind nicht nur reine "Trainer" für Körperübungen, sondern erfüllen darüber hinaus noch wichtige Rollen als Ansprechpartner bei körperlichen und seelischen Problemen, fühlen uns intensiv in unsere Teilnehmer ein, und haben darüber hinaus einen kompletten Verwaltungsapparat, der gemanagt werden muss ;). 

Die bewusste Entscheidung für meinen Yoga-Weg war eine der wichtigsten in meinem Leben. Und ich bin total stolz und dankbar darüber, voller Überzeugung das tun und weitergeben zu können, woran ich glaube.

 

Ob ich auch in 10 Jahren weiterhin „nur“ Yogalehrerin sein werde? Who knows  ;)…! 

Namasté. 

VIELLEICHT AUCH INTERESSANT FÜR DICH....



Du möchtest keinen Beitrag mehr verpassen? Dann trage Dich hier für meinen Newsletter ein! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0